Lieber zur Bundeswehr oder was sinnvolles?

Mein Engagement für Zukunftsblick begründe ich unter anderem damit, dass ich verhindern will, dass Schüler*innen aus Perspektivlosigkeit zur Bundeswehr gehen oder sonstige frustrierende und ethisch bedenkliche Ausbildungswege einschlagen. Meist bekomme ich dann die Antwort „aber da will doch eh niemand hin“. Tja, das ändert aber nichts daran, dass die Bundeswehr auf der Liste der beliebtesten Arbeitgeber von Trendence den dritten Platz belegt. Doch auch die Studie selbst ist zu kritisieren.

Das beste vom schlechten

Jährlich bekommen 20.000 Schülerinnen von der 8. bis 13. Klasse einen Fragebogen vorgelegt, auf dem Deutschlands größte Konzerne und Arbeitgeber stehen. Davon sollen die Schüler dann auswählen, bei welchen sie am liebsten arbeiten würden. D.h. die Schüler werden nicht nach ihren Interessen gefragt, sondern müssen die bestmögliche Option aus einem Haufen bedenklicher Unternehmen wählen.

Damit ist die gesamte Studie, wie sie in den Medien zitiert wurde eigentlich zu kritisieren, weil sie den Eindruck hinterlässt, dass viele Schüler*innen gerne zur Polizei, Adidas oder gar zum Militär wollen. Doch die meisten Arbeitsplätze sind in mittelständischen und gemeinnützigen Organisationen. Das bildet die Studie nicht ab.

Die Polizei ist aktuell der beliebteste Arbeitgeber unter großen Unternehmen. Warum?

Hier ist die original Studie

Für die Initiative Zukunftsblick und die Erzählteamer bedeutet dies jedenfalls eine Menge Arbeit.

Eigentlich ist es schön zu hören, dass so viele Kinder sich für einen verantwortungsvollen Job für die Gemeinschaft einsetzen wollen. Auch bei der Bundeswehr könnte das gelten, wenn man bedenkt, dass viele Schüler ein falsches Bild einer Verteidigungsarmee haben, die sich für Menschenrechte und nicht für unfaire Wirtschaftskriege einsetzen würde.

Das hieße, Schüler*innen streben doch nach:

  1. Sicherheit
  2. Arbeiten im Team
  3. Einsatz für die Gemeinschaft

Es fehlt an Visionen

Was die Studie nicht zeigt ist, wie engagiert und selbstsicher sich die Schüler*innen für diesen Job einsetzen. Es ist sehr fraglich, das sich die Schüler*innen vorher intensiv über Möglichkeiten, Chancen und Berufe ausgetauscht haben. Da Schüler*innen nicht wissen, was ihnen in der Welt wirklich wichtig ist, was die Welt zu bieten hat und welche modernen und erfüllende Unternehmen und Aufgaben es gibt, bleibt „Geld verdienen“ und „Sicherheit“ das einzige Entscheidungskriterium.

Unsere Aufgabe ist also: Visionen sähen, Mut machen und den eigenen Weg erkennbar werden zu lassen.  Und besonders, durch Beispiele andere Berufsfelder aus dem sozialen Bereich, aufzeigen, dass „Irgendwas mit Menschen / Medien“  nicht in erster Linie als  Kaufmann/frau und beim Fernsehen gefunden wird.

Mut zur Freiheit

Unsere Erfahrungsberichte, Berufungsworkshops, Globale Herausforderung setzen genau da an und durch Youth Ledership vermitteln wir den Schüler*innen das Gefühl, selber etwas bewegen zu können. In den großen Konzernen der Trendence Studie verdient man vielleicht am besten, glückliche und erfüllte Lebenswege sind es vermutlich nicht.

In der Zukunft werden wir in viel kleineren Teams arbeiten, in Gemeinschaften statt starren Hierarchien und in solidarischen Wirtschaftsnetzwerken statt konkurrierenden, börsennotierten Großkonzernen, wo kein persönlicher Kontakt die Entscheidungen beeinflusst.

Es wäre interessant zu sehen, welche Unternehmen unsere Workshopteilnehmenden gründen.

Es wäre spannend zu wissen, was die Lieblingsarbeitgeber unsere Teilnehmenden sind!

 

Weiterführende Infos

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